Hybride Versorgungslösungen kombinieren digitale und phyische Gesundheitsdienstleistungen, um die Zugänglichkeit, Effizienz und patientenzentrierte Versorgung zu verbessern. Dieses Kapitel bietet einen strukturierten Ansatz für die Entwicklung eines Konzepts für eine hybride Versorgungslösung und stellt sicher, dass es die Bedürfnisse von Patient:innen, Leistungserbringern und Interessengruppen erfüllt. Manche der folgenden Inhalte des Konzeptes sollten in jedem Konzept enthalten sein, andere sind von der Versorgungslösung abhängig.
Ziele
Vor der Entwicklung einer hybriden Versorgungslösung ist es wichtig, die übergeordneten Ziele und den Umfang der Dienstleistung zu definieren.
Zu den wichtigsten Überlegungen gehören:
- Zielpopulation:
- Identifizieren Sie die Hauptnutzer (z. B. ältere Menschen, Patient:innen mit chronischen Krankheiten, Patient:innen mit psychischen Erkrankungen)
- Definieren Sie die Anwender (z.B. Ärzt/innen, Pflegefachkräfte, Therapeutinnen und Verwaltungspersonal, die mit dem System interagieren werden)
- Bedarf an medizinischer Versorgung: Bestimmen Sie die erforderlichen medizinischen und nicht-medizinischen Leistungen (z. B. Diagnostik, Überwachung, Therapie, Beratung)
- Integration in bestehende Systeme: Beurteilen Sie die Kompatibilität mit aktuellen Infrastrukturen des Gesundheitswesens, wie z. B. Praxis- oder Klinikinformationssystemen, EPD, digitalen oder Telemedizin-Plattformen.
- Einhaltung gesetzlicher Vorschriften: Sicherstellung der Einhaltung rechtlicher und ethischer Standards in der digitalen Gesundheit und Patientenversorgung.
Zielgruppenbedürfnisse
Eine erfolgreiche hybride Versorgungslösung muss auf die spezifischen Bedürfnisse seiner Nutzer zugeschnitten sein. Identifizieren und analysieren Sie die folgenden Gruppen:
- Patient:innen: Altersgruppen, digitaler Kenntnisstand, häufige Gesundheitszustände, Präferenzen für digitale vs. persönliche Interaktionen.
- Leistungserbringer: Ärzt/innen, Pflegefachkräfte, Therapeutinnen und Verwaltungspersonal, die mit dem System interagieren werden.
- Technische Zulieferer: IT-Unterstützung für digitale Gesundheitsplattformen.
Case Journey
Beschreiben Sie den Versorgungsprozess Schritt für Schritt
- Wer verschreibt die hybride Gesundheitslösung und aufgrund welcher Bedingungen (Indikation)?
- Wie wird die Vergütung der Leistung sichergestellt?
- Wie und durch wen wird eine neue Patient:in in den Prozess eingeführt (Onboarding)?
- Wie erfolgt die hybride Gesundheitsleistung?
- Wer macht was?
- Welche Rollen und Aufgaben haben die involvierten Fachpersonen und Leistungserbringer?
- Welche Aufgaben erfüllt die Patient:in?
- Wie und durch wen wird die Versorgungsleistung abgeschlossen (Offboarding)?
Kernkomponenten der hybriden Versorgungslösungen
Ein hybrides Betreuungsmodell sollte digitale und physische Dienstleistungen nahtlos miteinander verbinden. Definieren Sie, welche Komponenten für ihre Lösung notwendig und sinnvoll sind:
Digitale Dienste
- Digitales Monitoring: Fernüberwachung mittels Sensoren oder Devices (z.B. Sauerstoffsättigung, EKG)
- Mobile Gesundheits-Apps: Patientenselbstmanagement-Tools (z.B. Bewertung von Symptomen (PROMS) oder Terminplanung)
- KI-gestützte Entscheidungshilfen: Automatisierte Triage-Systeme, Symptom-Checker und prädiktive Analytik.
- Elektronische Patientenakten: Zentralisierte Patientendaten, die durch KI oder andere Dienstleistungen auswertbar sind.
- Sichere Kommunikationskanäle: Verschlüsselte Nachrichtenübermittlung und Plattformen zur gemeinsamen Nutzung von Daten.
Professionelle physische Dienste
- Vorort-Konsultation: Wenn körperliche Untersuchungen oder Behandlungen erforderlich sind.
- Telekonsultation: Für Beratung via Telefon, Chat oder Bildschirm.
- Mobile Gesundheitseinheiten: Betreuung auf Abruf durch mobile Teams und Spitex-Dienste.
- Apotheke und Medikamentenabgabe: Integration mit digitalen Rezepten und Hauslieferdiensten.
- Ergebnismessung: Indikatoren, die den Therapieerfolg objektivieren und dokumentieren können.
Patienten-Engagement
- Kommunikation: Kanäle für die Patientenkommunikation (z. B. sichere Nachrichtenübermittlung, Telefon)
- Engagement und Motivation: Anreize und Motivatoren zur Therapieadhärenz (z. B. Patient Education, Gamification, Erinnerungen, Belohnungen)
- Selbstmanagement: Integration von Wearables, Gesundheits-Apps
- Unterstützung: Einbezug von Angehörigen oder Peer-Groups
- Feedback zur Patientenerfahrung und Bedürfnissen: Regelmässige Erhebungen mittels PREMs, Fragebogen
- Ergebnismessung: Indikatoren, um das Engagement der Patient:innen zu messen (z. B. Termintreue, Zufriedenheitswerte); Indikatoren, um die Lebensqualität und den Therapieerfolg aus Sicht der Patient:innen zu messen (z.B. PROMs).
Technologie-Integration
Damit eine hybride Versorgungslösung effektiv funktioniert, muss sie digitale und physische Komponenten integrieren. Beachten Sie Folgendes:
- Interoperabilität: Die Systeme sollten plattformübergreifend Daten nahtlos austauschen (z. B. KIS/PIS, Telemedizin und mobile Devices)
- Standards: Die Systeme sollten den gängigen semantischen, strukturellen und Interoperabilitätsstandards entsprechen (z.B. LOINC, Snomed, HL7/FHIR)
- Datenschutz und Compliance: Einhaltung von GDPR, DSG, HMG oder Sicherheitsanforderungen. Je nach Anwendung muss das Produkt CE-zertifiziert werden und/oder erfordert den Aufbau und den Betrieb eines Qualitätsmanagement-Systems (QMS).
- Datenmanagement: Richtlinien für Datennutzung, Datenhaltung und Datenzweitnutzung/Weiterverwendung.
- Benutzerfreundliches Design (UX): Einfach zu bedienende Plattformen für Patient:innen und Leistungserbringer.
- Zugang und Inklusion: Sprachen, in denen die Leistung verfügbar ist; digitale Kompetenzen, die bei den Fachleuten und Patient:innen vorausgesetzt werden; Geräte, die seitens Fachleuten und Patient:innen vorhanden sein müssen (z.B. Computer in der Apotheke, Smartphone zu Hause).
System-Integration
Damit eine hybride Versorgungslösung erfolgreich sein kann, muss sie sich in bestehende Versorgungsstrukturen wie beispielsweise Ärztenetzwerke integrieren. Beachten Sie Folgendes:
- Die hybride Lösung muss mit Krankenhaus- und Praxisinformationssystemen sowie Versicherungsdatenbanken kompatibel sein.
- Einheitliche Schnittstellen (APIs) und Standardprotokolle (z. B. HL7, FHIR) erleichtern den Datenaustausch zwischen digitalen und physischen Versorgungslösungen.
- Ärzt:innen, Pflegepersonal, Therapeut:innen und administrative Fachkräfte müssen in Implementierung vor Ort einbezogen werden.
- Klare Zuständigkeiten und standardisierte Abläufe gewährleisten eine reibungslose Zusammenarbeit zwischen digitalen und analogen Leistungserbringern.
- Digitale Angebote müssen einfach zu bedienen sein und barrierefreie Optionen bieten, um eine hohe Akzeptanz bei Patient:innen und den Leistungserbringern zu erreichen.
Umsetzungsstrategie
Ein strukturierter Einführungsplan gewährleistet die erfolgreiche Einführung eines hybriden Versorgungsmodells. Die wichtigsten Schritte sind:
Pilotversuch
- Wählen Sie eine begrenzte Gruppe von Patient:innen und/oder Leistungserbringer aus, um die Integration von digitalen und physischen Dienstleistungen zu testen.
- Sammeln Sie Feedback, um technische und betriebliche Herausforderungen zu identifizieren.
Optimierung
- Passen Sie die Arbeitsabläufe und die verschiedenen Elemente auf der Grundlage der realen Nutzung an.
Skalierung und Erweiterung
- Erweitern Sie die Dienste schrittweise auf eine breitere Patientengruppe und/oder Leistungserbringer aus.
- Überwachen Sie KPIs wie Patientenzufriedenheit, Effizienzsteigerungen und klinische Ergebnisse.
Anpassung der Strategien auf der Grundlage laufender Bewertungen.