Die Diskussion beim gemeinsamen Webinar von santeneXt und VBHC Suisse hat gezeigt: Das Thema Value-Based Healthcare bewegt, und zwar über alle Stakeholder-Gruppen hinweg.
Nach dem Impulsreferat von Joel Lehmann (VBHC Suisse) diskutierten Julia Biller (prio.swiss), Mirjam Lämmle (Krebsliga Schweiz) und Katharina Rüther-Wolf (Solothurner Spitäler AG).
Die engagierte Beteiligung der Teilnehmenden und die Bereitschaft der Expert:innen, offen über Hebel und Hürden zu sprechen, waren ein starkes Signal: VBHC ist in der Schweizer Gesundheitslandschaft angekommen, nicht mehr als abstraktes Konzept aus der Fachliteratur, sondern als Frage, die alle Akteure im System konkret betrifft und zum Handeln auffordert.
Gleichzeitig macht der Austausch deutlich, wie weit der Weg vom Konzept zur gelebten Praxis noch ist. Es existieren zahlreiche vielversprechende Pilotprojekte, bei denen einzelne Spitäler, Versicherer und Netzwerke outcome-orientierte Ansätze erproben und wertvolle Erfahrungen sammeln. Doch die Übersetzung dieser Einzelinitiativen in den Systemalltag braucht Zeit und einen langen Atem.
Einzelne Vorreiter zeigen, dass es machbar ist, ersetzen aber keine strukturelle Verankerung. Damit daraus eine breite Bewegung wird, braucht es gemeinsame Standards, verlässliche Finanzierungsmodelle und den politischen Willen, Erfolgsmodelle zu skalieren.
Bemerkenswert war, wie klar sich trotz unterschiedlicher institutioneller Perspektiven eine gemeinsame Stossrichtung herausschälte. Leistungserbringer, Versicherer und Patient:innen bringen naturgemäss unterschiedliche Interessen, Anreizstrukturen und Blickwinkel ein. Genau das macht die Debatte an Tagen wie diesem so wertvoll und notwendig.
In der grundsätzlichen Vision sind sich alle einig: Es geht um gute Qualität für Patient:innen zum vernünftigsten Preis. Aus dieser Warte ist Qualität kein Kostenfaktor, sondern die Voraussetzung für ein wirtschaftlich tragfähiges System. Wer in bessere Behandlungsergebnisse investiert, vermeidet Folgekosten, unnötige Eingriffe und Doppelspurigkeiten. Diese gemeinsame Zielgrösse, Qualität und Wirtschaftlichkeit nicht als Gegensatz zu betrachten, sondern als zwei Seiten derselben Medaille zu verstehen, ist eine wichtige Basis für die weitere Zusammenarbeit unter den Akteuren, auch wenn der Weg dorthin im Detail kontrovers bleibt.
Aus der Diskussion liess sich ein Dreiklang herausarbeiten:
- Erstens braucht es Zusammenarbeit entlang des gesamten Patientenpfads: Behandlung, Vergütung und Datenflüsse enden heute oft an institutionellen Grenzen, während der Nutzen für Patient:innen über den ganzen Pfad hinweg entsteht.
- Zweitens braucht es Vergütungsmodelle, die Anreize auf Ergebnisse statt auf Volumen ausrichten.
- Drittens eine Nutzenmessung, die Outcomes so erfasst und standardisiert, dass sie für Steuerung, Qualitätsvergleiche und Vergütung überhaupt nutzbar werden.
Erst wenn diese drei Elemente ineinandergreifen, wird aus dem Konzept gelebte Praxis.
Das Webinar hat damit weniger fertige Antworten geliefert als vielmehr den Rahmen geschärft, in dem die nächsten Schritte gedacht werden müssen. Es hat sichtbar gemacht, wo die Schweiz im internationalen Vergleich steht, wo die grössten Umsetzungshürden liegen und wo bereits reale Fortschritte entstehen.
santeneXt und VBHC Suisse werden das Thema weiterverfolgen mit dem Ziel, aus den geteilten Perspektiven und den engagierten Wortmeldungen der Teilnehmenden konkrete, umsetzbare Impulse für die Schweizer Gesundheitsversorgung abzuleiten und den Dialog zwischen den Akteuren aktiv weiterzuführen.


